Kärnten Hochrechnung Q1-3 2020: Aktuelle Entwicklung mit fatalen Konsequenzen für die Zukunft der heimischen Wirtschaft

40 Prozent weniger Firmenpleiten in den ersten neun Monaten

Kärnten -

Seit Beginn der Corona-Krise sind die Unternehmensinsolvenzen in Kärnten nicht gestiegen, sondern vielmehr ist das Gegenteil eingetreten: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist gegenüber dem Normalbetrieb um rund 40 Prozent gesunken. Dabei handelt es sich um eine Konsequenz aus den durch die Bundesregierung gesetzten Corona-Maßnahmen. Daraus resultiert eine Wettbewerbsverzerrung, deren Ausmaß weiterhin unklar ist. Die größte Gefahr dabei ist, dass auch „gesunde Firmen“ ins Verderben (mit-) gezogen werden.


 „In den ersten neun Monaten des Jahres wurden in Kärnten 90 Insolvenzverfahren über Kärntner Unternehmen eröffnet. Zusätzlich führten 46 weitere Insolvenzanträge mangels Vermögens der Schuldner nicht zu eröffneten Verfahren. In Summe sind 136 Unternehmen mit Verbindlichkeiten von 65 Millionen Euro insolvent. Dies bedeutet einen Rückgang von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, berichtet Mag. Barbara Wiesler-Hofer Leiterin des KSV1870 Kärnten.

Fatale Konsequenzen für die Zukunft der heimischen Wirtschaft

Die skizzierte Situation hat die Wirtschaft den sogenannten „Corona-Maßnahmen“ zu verdanken. Waren diese ursprünglich dafür gedacht, jene Unternehmen zu unterstützen, denen der verordnete Lockdown massiv geschadet hat, geht derzeit der Schuss nach hinten los: „Anstatt betroffenen Firmen zu helfen, die eine positive Zukunft vor sich haben, werden damit „wirtschaftlich kranke“ Unternehmen künstlich am Leben gehalten, die wiederum aktuell gesunde Firmen mit ins Verderben ziehen. Es ist spätestens jetzt an der Zeit, zu einer wettbewerbsorientierten Volkswirtschaft zurückzukehren“, erklärt Wiesler-Hofer.

Kärnten auf Platz drei im Ranking der Rückgänge

Im österreichweiten Durchschnitt sind die Unternehmensinsolvenzen in den ersten drei Quartalen 2020 um 32 Prozent gesunken. Dabei verzeichnen alle Bundesländer deutliche Rückgänge. Kärnten verzeichnet im Bundesländervergleich mit 136 insolventen Firmen nach Oberösterreich (-43,7 %), Salzburg (-41,9 %) den drittgrößten  Rückgang – gemeinsam mit Vorarlberg (-39,6 %).

Branchen: Unternehmensbezogene Dienstleistungen, Bauwirtschaft und Gastronomie

Ungeachtet des deutlichen Rückganges bei den Firmenpleiten dominieren nach wie vor Kleinbetriebe aus dem Bereich der unternehmensbezogenen Dienstleistungen, der Bauwirtschaft und der Gastronomie das Kärntner Insolvenzgeschehen. Von den Pleiten direkt betroffen sind bislang 500 Dienstnehmer.

Top 5 der Kärntner Insolvenzen

Die fünf größten Insolvenzfälle in Kärnten sind die Mandler GmbH (Konkurs ) aus Greifenburg mit Passiva von 8,5 Millionen Euro, die Sun Valley-Privatstiftung (Konkurs) aus Villach mit Passiva von 5,5 Millionen Euro, die CDR Handels GmbH (Konkurs) aus Klagenfurt, die DMC SHOP Holding GmbH (Konkurs) aus Klagenfurt und die Bau Sztriberny GmbH & Co KG (Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung) aus Reifnitz mit Passiva von jeweils 3,7 Millionen Euro.

Vertrauen in das österreichische Insolvenzverfahren – gerade jetzt!

Durch die anhaltende Insolvenzverschleppung wird es 2021 zu einem massiven Anstieg bei der Zahl der Unternehmensinsolvenzen kommen. Die aktuelle Situation zeigt allerdings schon jetzt, dass es sich dabei um viele nicht sanierungsfähige Firmen handeln wird. Dies hat zur Konsequenz, dass sich Gläubiger nächstes Jahr vermehrt mit Null-Quoten konfrontiert sehen werden. Der KSV1870 plädiert daher für eine rechtzeitige Sanierung,  bevor es zu spät ist – und das gerade in der jetzigen Situation. „Eine Insolvenz ist in erster Linie die Möglichkeit einer Entschuldung und damit eine zeitnahe Chance auf einen Neubeginn“, so Wiesler-Hofer.

 

 

Rund ein Sechstel weniger Privatkonkurse in Kärnten

Kärnten Hochrechnung Q1-3 2020: In Österreich ist die Zahl der Privatkonkurse um 25,4 Prozent gesunken – Kärnten verzeichnet das geringste Minus.

Die Hochrechnung des KSV1870 zeigt für die ersten drei Quartale des Jahres 2020 in Kärnten einen Rückgang der eröffneten Privatkonkurse um 16,5 Prozent und damit eine Fortsetzung des Trends des 1. Halbjahres 2020.

Privatkonkurse:

Für mittlerweile niemanden mehr überraschend, sind die Zahlen bei den Privatkonkursen deutlich rückläufig. Also Schuldenregulierungen an Bezirksgerichten beziehungsweise für Personen, die kein Unternehmen (mehr) betreiben. „Mit 436 eröffneten Verfahren liegen die ersten drei Quartale um 16,5 Prozent unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Mittlerweile haben sich die Ausreißer wieder normalisiert. Der Rückgang hatte zur Jahresmitte schon 28 Prozent betragen“, berichtet Barbara Wiesler-Hofer, Leiterin des KSV1870 Kärnten.

Parallel dazu sind die Verbindlichkeiten um rund 5 Prozent von 77 Millionen Euro auf 73 Millionen Euro gesunken. „Die Passiva wurden durch ein Großverfahren eines ehemaligen Selbständigen in die Höhe getrieben“, so Wiesler-Hofer. Ohne dieses Großverfahren wären die Verbindlichkeiten gegenüber 2019 sogar um 27 Prozent gesunken.

Pandemie wird Spätfolgen haben

Insbesondere während des Corona-bedingten Ausnahmezustandes hat es unter anderem aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit recht unbürokratische Stundungen gegeben. Diese Erleichterung für private Schuldner kann und wird jedoch langfristig für Probleme sorgen – spätestens dann, wenn die Zahlungen fällig gestellt werden. „Leider vergessen viele, dass Stundungen nicht einen Erlass bedeuten, sondern die Zahlungen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen müssen. Erschwerend kommt dann jedoch hinzu, dass es meist im Laufe der Zeit noch schwerer wird, Schulden zu begleichen. Sich rechtzeitig in ein Schuldenregulierungsverfahren zu begeben, kann den Teufelskreis somit frühzeitig beenden und eine Chance auf einen Neubeginn bedeuten“, erklärt Wiesler-Hofer.

Kärnten beim Rückgang an letzter Stelle

Die eröffneten Privatkonkurse sind österreichweit um 25,4 Prozent auf 5.350 gesunken. Dabei verzeichnen alle Bundesländer teils deutliche Rückgänge. Das Burgenland ist mit einem Minus von mehr als 45 Prozent Spitzenreiter. Kärnten liegt in diesem Ranking an letzter Stelle (-16,5 %).

Ausblick 2020

Vergleicht man die bisherigen Zahlen mit jenen des Vorjahres (Eröffnungen Gesamtjahr: rund 700), fehlen, rein mathematisch betrachtet beziehungsweise bis Jahresende hochgerechnet, rund 264 Privatinsolvenzeröffnungen. „Da Privatschulden nicht von heute auf morgen entstehen und es sehr unwahrscheinlich ist, dass tatsächlich so viele Personen weniger in finanzielle Schieflage gekommen sind, könnten die Anträge im letzten Quartal 2020 nachgeholt werden“, so Wiesler-Hofer. Aufgrund der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen werden die vom Gesetzgeber festgelegten Einschränkungen im Alltag wohl wieder zunehmen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Rückgänge nicht zur Gänze aufgefangen werden können, da die Schuldner gehemmt sind, – persönlich – zu zwingend notwendigen – Beratungs- und Verhandlungsterminen zu erscheinen. „Es werden daher die Zahlen 2020 zweifellos unter denen des Vorjahres zu liegen kommen“, fasst Barbara Wiesler-Hofer zusammen.