Forschungsprojekt Nachbarschaftsauto

Nachbarn teilten sich zwei Monate lang ein Auto

Hermagor -

Neun Nachbarinnen und Nachbarn testeten in Hermagor zwei Monate lang im Projekt „FReD im Dorf“ ein Nachbarschaftsauto. Das Forschungsprojekt untersucht, ob dieses Modell im ländlichen Raum ein zusätzliches Privatfahrzeug ersetzen kann.

Projektinitiatoren Nina Fábián und Franz Gerhard Patterer besuchen gemeinsam mit Bürgermeister Leopold Astner die Teilnehmerinnen des Carsharing-Standorts in Hermagor

Insgesamt sechs Nachbarfamilien in Hermagor teilten sich zwei Monate lang gemeinsam ein Auto. Das Fahrzeug stand während des gesamten Testzeitraums direkt vor der Haustüre der Nachbarschaft und unterschied sich damit von einem herkömmlichen Carsharing-Angebot. Durch den wohnortnahen Standort war das Auto besonders leicht zugänglich. „Aufgrund der mancherorts unzureichenden Öffi-Infrastruktur besitzen viele Familien im ländlichen Raum mehrere Autos. Das ist nicht nur ein enormer Kostenfaktor, sondern führt auch zu langen ungenutzten Stehzeiten und einem hohen Platzverbrauch. Wir möchten herausfinden, ob sich ein gemeinsames Auto im Nachbarschaftsgrätzl als Alternative zu einem zusätzlichen Privatfahrzeug eignet.“, so Projektleiterin Nina Fábián.

Teilen nicht mehr selbstverständlich

Am Standort Hermagor wurde das Nachbarschaftsauto hingegen fast täglich mehrere Stunden genutzt. Manche Familien verfügten über kein oder nur ein eigenes Auto und konnten das Fahrzeug gemeinsam als Zweitauto nutzen. Die Nachbarschaft musste sich während des Projektzeitraums selbst organisieren und sich aufeinander verlassen können. Eine Familie stellte dabei für zwei Monate ihre Ladestation, Strom und Parkplatz zur Verfügung. „Die Organisation und das Miteinander haben bei allen bereits durchgeführten Standorten wunderbar funktioniert – was jedoch nicht als selbstverständlich anzusehen ist: Die zwischenmenschliche Komponente ist oft einer der herausforderndsten Faktoren bei solchen Projekten – insbesondere, wenn es darum geht, über das Verständnis von ‚dein‘ und ‚mein‘ hinauszudenken“, freut sich Projektleiterin Nina Fábián. Die Forschungsergebnisse sollen Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit, den idealen Nutzerkreis sowie die zwischenmenschlichen Voraussetzungen geben.

Teilnehmerinnen für Dellach gesucht

Bald wird es auch einen Standort in Dellach beim Rathaus geben. Drei Familien sind bereits dabei – für diesen Standort können sich noch weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer anmelden, gerne auch Haushalte mit mehreren Autos. Mit an Bord im Projekt ist auch Carsharing-Pionier Franz Gerhard Patterer. Er gründete das E-Carsharing FReD und hat bereits mehrere öffentliche Carsharing-Standorte weit über das Gailtal hinaus etabliert. Das Projekt wird außerdem vom Klima- und Energiefonds unterstützt.