Wasserverluste früher erkennen, Verbrauchsspitzen besser einschätzen und drohende Versorgungsengpässe rechtzeitig sichtbar machen: Das ist das Ziel des Pilotprojekts „WasserRadar Kärnten“, das heute von Wasserreferentin LRin Marika Lagger-Pöllinger gemeinsam mit Vertreter:innen der Gemeinde Neuhaus und der Fachabteilung Wasserwirtschaft vorgestellt wurde. In einem Demonstrator werden die seit 2021 in Neuhaus erhobenen digitalen Verbrauchsdaten mithilfe künstlicher Intelligenz ausgewertet. Daraus sollen Wasserbilanzen, Verbrauchsprognosen und automatische Warnhinweise entstehen.
Regionale Trockenperioden führen zu Wasserengpässe
„Kärnten verfügt grundsätzlich über gute Wasserressourcen. Gleichzeitig können längere Trockenperioden regional und zeitlich zu Engpässen führen. Deshalb müssen wir heute vorsorgen. Mit dem WasserRadar Kärnten verbinden wir kommunale Erfahrung, verlässliche Daten und künstliche Intelligenz. So können Wasserversorger früher handeln, wertvolles Trinkwasser schützen und die Versorgung der Bevölkerung langfristig absichern“ betont Wasserreferentin LRin Marika Lagger-Pöllinger.
Vom Reagieren zum vorausschauenden Handeln
Während herkömmliche Wasserzähler meist nur jährlich oder monatlich abgelesen werden, ermöglicht die digitale Erfassung eine zeitnahe Überwachung des Versorgungsnetzes. Auffällige Verbräuche, Leitungsschäden, Wasserverluste und Lastspitzen können dadurch früher erkannt werden. Die Wasserversorger erhalten so eine fundierte Grundlage, um ihre Betriebsabläufe zu optimieren und im Bedarfsfall rechtzeitig gegenzusteuern.
Auch die Bevölkerung soll unmittelbar profitieren. Geplant ist ein Bürgerportal, das Informationen zum aktuellen Anlagenstatus, zum eigenen Wasserverbrauch und zu den laufenden Kosten bereitstellt. Darüber hinaus sollen Warnungen bei ungewöhnlichen Verbrauchswerten oder Versorgungsengpässen ausgesprochen werden. Dabei bleibt die kommunale Datensouveränität gewahrt.
Zukunftsthema Wasser
„Wasser wird für unsere Gemeinden in den kommenden Jahren noch stärker zu einem strategischen Zukunftsthema. Mit dem Projekt WasserRadar Kärnten wollen wir zeigen, wie kommunale Daten, moderne Technologien und künstliche Intelligenz dazu beitragen können, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und die Versorgungssicherheit nachhaltig zu stärken. Die Gemeinde Neuhaus bietet mit ihrer bereits bestehenden LoRaWAN-Infrastruktur und ihren Erfahrungen in der digitalen Wasserversorgung ideale Voraussetzungen für dieses Pilotprojekt; gleichzeitig ist für uns entscheidend, dass die kommunale Datensouveränität gewahrt bleibt. Durch die enge Zusammenarbeit von kommunaler Praxis und Wissenschaft soll eine Lösung entstehen, deren Erkenntnisse künftig auch auf weitere Kärntner Gemeinden übertragen werden können.“ – Mag. (FH) Michael Sternig, MA, Geschäftsführer des Kärntner Gemeindeservicezentrums
Neuhaus als kommunales Best-Practice-Beispiel
Die Gemeinde Neuhaus hat bereits 2021 ihre bisherigen Wasserzähler durch digitale Zähler ersetzt und seither Erfahrungen mit LoRaWAN- und IoT-Technologien, Wasserbilanzen und automatisierten Alarmierungen gesammelt. Dieses Wissen fließt nun in den Demonstrator ein und soll anschließend für andere Gemeinden nutzbar gemacht werden.
„Mit WasserRadar Kärnten wollen wir nun den nächsten entscheidenden Schritt gehen: Vorhandene Wasserdaten sollen mit künstlicher Intelligenz verbunden werden, um unser Wassernetz noch besser zu verstehen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und konkrete Entscheidungen für einen sicheren und nachhaltigen Betrieb zu ermöglichen. Dabei geht es nicht um Digitalisierung. Es geht um einen ganz konkreten Nutzen für die Gemeinden und ihre Bürgerinnen und Bürger: Wasserverluste vermeiden, Ressourcen schonen, Betriebskosten reduzieren, Schäden früher erkennen und die Versorgungssicherheit auch bei Trockenperioden, Rohrbrüchen oder anderen Krisensituationen erhöhen. Unser Ziel ist es, dass Neuhaus dabei nicht nur von einem Projekt profitiert, sondern sein bereits aufgebautes Wissen auch anderen Gemeinden zur Verfügung stellt.“ – Bürgermeister Patrick Skubel
Kommunale Praxis trifft Forschung
In Zusammenarbeit mit dem Software Competence Center Hagenberg, dem Kärntner Gemeindeservicezentrum, der Hochschule Campus Wien, dem Verein der Kärntner Wasserer und weiteren Technologiepartnern wird eine technische Grundlage entwickelt, die später auch in anderen Gemeinden eingesetzt werden kann.
Die Hochschule Campus Wien (HCW) forscht seit Jahren zum Thema ”Smart Villages”, um die Herausforderungen zu adressieren, mit denen sich kleine Gemeinden in Zeiten von Ressourcenknappheit und Klimawandel zunehmend konfrontiert sehen. Seit 2022 arbeiten wir in enger Kooperation mit der Gemeinde Neuhaus an digitalen Lösungen für eine resiliente Wasserversorgung. Dies ist ein Aufgabenbereich, dessen Dringlichkeit spätestens seit diesem Sommer allen bewusst geworden sein dürfte. – FH-Prof. Dipl.-Ing. Heimo Hirner, Leiter des Forschungszentrums für KI, Software und IT-Security sowie stellvertretender Studiengangsleiter für Computer Science and Digital Communications an der Hochschule Campus Wien
„Mit WasserRadar wollen wir zeigen, wie vorhandene Daten einer kommunalen Wasserversorgung intelligent zusammengeführt und mit modernen KI-Methoden nutzbar gemacht werden können. Gemeinsam mit der Gemeinde Neuhaus entwickeln wir am Software Competence Center Hagenberg einen Demonstrator, der Wasserbedarfsprognosen, Wasserbilanzen und die frühzeitige Erkennung ungewöhnlicher Verbrauchs- und Betriebsmuster ermöglicht. Gleichzeitig schaffen wir eine skalierbare technische Grundlage, die künftig auch auf weitere Gemeinden übertragen werden kann. Damit verbinden wir angewandte KI-Forschung unmittelbar mit konkretem Nutzen für eine sichere und nachhaltige kommunale Wasserversorgung.” – DI(FH) DI Alexander Valentinitsch, PhD, Software Competence Center Hagenberg
„Die Wasserversorgung der Zukunft beginnt nicht erst dann, wenn Wasser knapp wird. Sie beginnt heute, mit Wissen, mit Vorsorge und mit einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer wichtigsten Ressource.“ – Bürgermeister Patrick Skubel







































