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Gailtal -
Vor 27 Jahren als Gast zum ersten Mal ins Gailtal gereist, heute als Freund geblieben. Wohl kaum jemand kennt den „Ostdeutschen“- wie er von seinen Freunden hier im Tal genannt wird – nicht. Die Rede ist vom aus der DDR stammenden Stehauf-Mann Stefan Stielau.
Unerschrocken frönt der alleinstehende Gast aus Khünburg den Minusgraden entgegen.
Seinen 2-rädrigen-Freund bedient Stefan Stielau das ganze Jahr
Empfohlen wurde ihm unsere schöne Urlaubsregion von Bekannten. 1992 wusste der damalig selbstständige Fischhändler noch nicht, welche Liebe sich zu den Menschen und zum Tal entwickeln würde. Über zwei Jahrzehnte führte der kernige Deutsche in Beelitz bei Potsdam, der auch gelernter Koch ist und nach der Wende den Küchenmeister absolvierte, ein gutgehendes Fischlokal. Er hatte finanzielle Mittel, keine Verpflichtungen, alle Freiheiten – bis ihn sein Gesundheitszustand an die Grenzen verwies.
Das Jahr der Entscheidungen
2006 wurde der „Ossi“ grundlegend krank, durchlebte multiple Zuckerschocks und musste so für sich die Tatsachen anerkennen und die „Notbremse“ ziehen. Die Ärzte konnten ihn nur bestens zu Rate legen, sich in alpinen Gebieten aufzuhalten. Die Höhenlage verbessere seinen Gesamtgesundheitszustand und eine Genesung wäre nicht auszuschließen.
Gesagt, getan!
Das Auto wurde verkauft, seitdem fährt „der Ost-Deutsche“ Fahrrad. Allen Querelen zum Trotz, den motorischen Einschränkungen aufgrund des diabetischen Fußes, „ik will Freiheit, ik muss mich bewegen können“. Als privater Motorradfahrer und Kradmelder während der DDR-Armeezeit, lernte Stielau sich auf rutschigem, schneereichen Untergrund fortzubewegen. Diese Fähigkeit kommt nun auch zum Einsatz, denn NEIN, er fährt nicht nur bei sommerlichen Temperaturen durch unser schönes Gailtal, sondern auch im Winter. „Zwe Winter machen dir hart!“… lächelt er charmant im Gespräch. „Weste die deutsche Eiche wackelt zwar manchmal, aber der Karawankenbär fällt nicht. Ik bin kälteunempfindlich, ik war och schon be -14 Grad mit dem Rad zur Fußpflege nach Hermajor unterwegs…“
Bewegtes Leben
Wer ihn im Winter Schnee schaufeln sieht und er dabei nur Hemd und Shorts trägt, sollte sich nicht wundern. Das ist Stefan. Ein geprägter Mensch, der sich trotz Handicap im Winter die Spikesreifen montieren lässt, wie andere die klassischen Winterreifen und die Asphaltfahrbahnen sein Eigen nennt. Kein Weg zu weit, kein Berg zu steil. Trotz allen Kerben in seinem Leben hat er das Lächeln nicht verloren und kämpft hier in seiner Wahlheimat als Gast noch immer gegen die Tücken des Alltags – mit Erfolg wie wir finden.
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