Informationsveranstaltungen zur 380-kV-Leitung Lienz–Obersielach

Kärnten -

Der Widerstand gegen die Pläne der Austria Power Grid AG (APG) zur 380-kV-Leitung Lienz–Obersielach nimmt nach Angaben von Bürgerinitiativen weiter zu. Auch politische Diskussionen im Kärntner Landtag würden den wachsenden Unmut in der Bevölkerung sowie den Widerstand von Liegenschaftseigentümerinnen und -eigentümern gegen das Projekt widerspiegeln.

Bei Informationsveranstaltungen in Wernberg und Seeboden wurde über die geplante 380-kV-Leitung diskutiert

Informationsveranstaltungen in Wernberg und Seeboden

Organisiert von der Bürgerinitiative „Gegenstrom 380 kV“ sowie dem Verein „LKoS – Lebensraum Kärnten ohne Hochspannungs-Stromfreileitungen e.V.“ fand am Mittwoch, dem 20. Mai 2026, eine Informationsveranstaltung in Wernberg statt. Eine weitere Veranstaltung fand am Donnerstag, dem 21. Mai 2026, in Seeboden statt. Unter dem Motto „Mein Leben VOR und NEBEN der 380 kV-Salzburgleitung“ berichteten Salzburger Betroffene über ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit der bereits umgesetzten Salzburgleitung. Thematisiert wurden dabei unter anderem Eingriffe in Forst- und Agrarflächen sowie Auswirkungen auf schützenswerte Lebensräume.

(c) Bürgerinitiative Gegenstrom 380 kV

Austausch und Kooperation der Bürgerinitiativen

Laut Veranstaltern trafen sich am Rande der Veranstaltung auch Vertreterinnen und Vertreter von Bürgerinitiativen aus Kärnten und Osttirol zum Austausch. Ziel sei es, gemeinsame Erfahrungen zu bündeln und bei künftigen Aktionen verstärkt gegenüber der APG und politischen Entscheidungsträgern aufzutreten. Dabei wurde betont, dass man sich klar gegen die geplante Freileitung ausspreche, die unter anderem bis zu 100 Meter hohe Masten sowie breite Trassenräume im Forstgebiet umfassen soll. Auch mögliche Auswirkungen auf Wohngebiete und gesundheitliche Aspekte elektrischer und magnetischer Felder wurden von Teilnehmern angesprochen.

Kritik an Projekt und Planungsgrundlagen

Kritik äußerten die Initiativen auch an der Vorgehensweise von Politik und APG. Es fehle aus ihrer Sicht an Transparenz, während gleichzeitig der Eindruck entstehe, das Projekt sei bereits weitgehend festgelegt. In diesem Zusammenhang wurde auch das sogenannte NOVA-Prinzip (Netzoptimierung vor Verstärkung vor Ausbau) erwähnt, das aus Sicht der Veranstalter stärker berücksichtigt werden müsse. Zudem wurde auf technische Entwicklungen verwiesen, die eine Leistungssteigerung bestehender Leitungen ermöglichen könnten. Auch Fragen zu möglichen Entschädigungen, Rodungsflächen sowie Wertverlusten von Immobilien wurden thematisiert.

Weitere Veranstaltungen geplant

Die Bürgerinitiativen kündigten weitere Veranstaltungen an. So findet am heutigen Freitag, dem 22. Mai 2026 eine weitere Informationsveranstaltung in Feldkirchen am Schillerplatz (Mahnwache von 9:00 bis 11 Uhr) statt. 

Einschätzung der Initiativen

Abschließend äußerten die Bürgerinitiativen die Hoffnung, dass das Projekt in der geplanten Form nicht umgesetzt werden müsse. Aus ihrer Sicht hätte die Realisierung der Leitung erhebliche Auswirkungen auf Landschaft, Landwirtschaft, Tourismus sowie private Flächen, die seit Generationen in Familienbesitz stehen.