„35 Stunden sind genug!“ AVS Hermagor streikt!

Hermagor - „Her mit der Arbeitszeitverkürzung“ erklang es heute in Hermagor. Drei Streiktage – die Fronten sind verhärtet. Heute von 11 bis 14 Uhr streikt das AVS Pflegeheim Wulfenia in der Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See. Das Gailtal Journal war live vor Ort.

Streik heute Vormittag in Hermagor

Um Punkt 11 Uhr wurde der Streik von Silvia Igumnov, ihres Zeichens stellvertretende Wirtschaftsbereichsvorsitzende GPA-djp – Wirtschaftsbereich Gesundheit und Soziales –  offiziell eröffnet. Mit dieser Maßnahme wird auf die Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft Österreichs hingewiesen. Die einzige Forderung, die die Arbeitnehmerseite heuer hat, ist die Forderung der 35-Stunden-Woche. Die Rahmenbedingungen aller Beschäftigten müssen verbessert werden, das Anliegen ist die Verkürzung der Arbeitszeit.
Silvia Igumnov im Gespräch vor dem Streik mit dem ORF (Barbara Liebminger)

Was bedeutet das?

Im Sozialbereich gibt es unterschiedliche Berufsgruppen. Über 70 % arbeiten in Teilzeit. Für Teilzeitbeschäftigte würde die Reduktion von 38 auf 35 Stunden bedeuten, dass das Beschäftigungsausmaß gleich bleiben würde, aber das Gehalt steigen. Bei dieser Reduktion wäre das ein Plus von 8,4 % für alle, die in Teilzeit tätig sind.
Mahnmale vor dem AVS Pflegeheim Wulfenia in Hermagor

Vollzeitbeschäftigung

Für die Vollzeitbeschäftigten bedeutet dies, dass sie tatsächlich 3 Stunden pro Woche weniger arbeiten müssten, mehr Zeit zum Verschnaufen hätten, um den Akku aufzuladen. Vor allem, wenn der Beruf schon länger ausgeübt wird, ist diese Maßnahme sinnstiftend. Gewisse Arbeitgeber blockieren die Forderungen leider, sind nicht einmal gesprächsbereit. Direktor Harter der AVS ist jedoch unterstützend bei dieser Reform dabei.

Es gibt zu wenige Arbeitskräfte – diese Aussage wird dementiert

In ganz Österreich gibt es 30.000 Menschen, die einen Pflegeberuf erlernt haben, aber nicht mehr darin tätig sind. Woran liegt das? Laut Igumnov sind es die Arbeitsbedingungen. Durch eine Arbeitszeitverkürzung könnten wir aber das Angebot wieder attraktiv machen und die Menschen wieder in den erlernten Beruf zurückholen. Punkt zwei wäre, dass jene, die jetzt in Teilzeit arbeiten, ein höheres Beschäftigungsausmaß haben möchten. Oft wird diesem Wunsch nicht entsprochen, warum auch immer.

Für nächste Woche sind weitere Verhandlungen in Wien angesagt, was wird erwartet?

„Ich erwarte mir, dass es ein Einlenken gewisser Arbeitgeber gibt. Wir haben ja schon einige Arbeitgeber, die auch hinter unserer Forderung stehen; uns ist es wichtig, unserer Forderung Nachdruck zu verleihen, damit wir den noch starken Blockierern ein großes Zeichen setzen können. Montag kommender Woche sind wir wieder in Wien, wir hoffen, dass es ein Einlenken geben wird. Im Sinne für die Beschäftigen und die ArbeitnehmerInnen.
Sie kämpfen für Gerechtigkeit und Freizeit

Sollte es am Montag keine Einigung geben, was ist weiters geplant?

Silvia Igumnov: Von unserer Seite aus wird es weitere Aktionen geben, aber ohne, dass die zu Betreuenden darunter leiden. Im Bereich der Pflege werden die Menschen während Streiks immer nottechnisch versorgt. Die BewohnerInnen der Heime liegen uns am Herzen, ein Totalstreik wird nicht stattfinden.
Das mediale Interesse war groß: Interview seitens des ORF mit DGKP Nicole Linder

Wie würden die Angestellten in den Pflegeheimen profitieren?

Silvia Igumnov: Menschen, die derzeit in Pflegeberufen arbeiten, hätten tatsächlich 3 Stunden mehr Freizeit in der Woche, aufs ganze Jahr gerechnet sind es 18 Tage. Mehr Zeit für Erholung ist gerade in der Pflege ganz wichtig. Für Teilzeitbeschäftigte – hier gibt es über 70 % in der Branche – bedeutet es, dass sie automatisch ein höheres Gehalt hätten. Die Stundenanzahl in der Woche würde gleich bleiben, sie würden aber über 8% mehr Lohn/Gehalt bekommen.

Die aktuellen Streikfotos: