Ein Trauma, das ganze Generationen prägt
Ihre Familie war kurz zuvor aus Australien zurückgekehrt und hatte das Haus gerade renoviert. „Innerhalb eines Augenblicks war alles unbewohnbar, wir mussten von Grund auf neu anfangen“, so Berra. Viele Häuser in ihrem Dorf wurden schwer beschädigt oder zerstört, ganze Orte mussten neu aufgebaut werden. Nach Monaten in Notunterkünften konnte die Familie Anfang 1978 in ihr Haus zurückkehren – begleitet von tiefer Dankbarkeit.
989 Tote & rund 1.000 Schwerverletzte
Eine besondere Rolle spielte dabei die Caritas Kärnten. Sie unterstützte die Familie unter anderem mit dem Dach für ihr Haus. „Diese Hilfe werden wir nie vergessen“, sagt Berra. Auch Jahrzehnte später bewahrt die Familie eine damalige Dankesplakette als wertvolles Erinnerungsstück auf. Am 6. Mai 1976 bebte die Erde in Friaul eine Minute lang – mit verheerenden Folgen: 989 Tote, rund 1.000 Schwerverletzte und etwa 80.000 obdachlose Menschen. Ganze Städte wurden zerstört. Der damalige Caritas-Direktor Viktor Omelko erlebte das Beben aus Südtirol und reagierte gemeinsam mit seinem Team rasch: Bereits am nächsten Tag wurde eine Soforthilfe beschlossen.
Vom Notfall zur nachhaltigen Aufbauhilfe
Nur wenige Tage später begann die Caritas Kärnten mit konkreter Hilfe vor Ort. Unter schwierigen Bedingungen wurden Wohnlösungen geschaffen, unter anderem durch den Umbau von ÖBB-Waggons. Parallel entstand ein umfassendes Wohnbauprogramm. Insgesamt wurden 256 Häuser, ein Kindergarten und zwei Altersheime errichtet – mit einem Gesamtvolumen von rund 81 Millionen Schilling, unterstützt auch von der österreichischen Bundesregierung. Diese Hilfe war nicht nur kurzfristige Katastrophenhilfe, sondern setzte bewusst auf Nachhaltigkeit und Selbsthilfe. Mit nur wenigen Mitarbeitenden und vielen Freiwilligen entwickelte sich daraus der Beginn der Auslandshilfe der Caritas Kärnten.
Katastrophenhilfe bleibt zentrale Aufgabe
Auch heute ist die Erinnerung an 1976 präsent. Caritas-Direktor Ernst Sandriesser verweist darauf, dass Katastrophenhilfe weiterhin ein Kernauftrag der Organisation sei. „Es braucht Mut zum raschen Handeln, die Unterstützung hilfsbereiter Menschen und Ausdauer“, so Sandriesser. Die Dankbarkeit der Betroffenen zeige bis heute den nachhaltigen Wert der damaligen Hilfe. 50 Jahre nach dem Erdbeben wird deutlich: Die Solidarität von damals wirkt bis heute nach – in Friaul, in Kärnten und weit darüber hinaus.









































