Hilfe, die bis heute wirkt: 50 Jahre Caritas-Auslandshilfe nach dem Erdbeben in Friaul

Kärnten/ Italien -

Vor 50 Jahren erschütterte ein schweres Erdbeben die italienische Region Friaul und hinterließ eine Spur der Zerstörung. Für viele Menschen begann damals eine Zeit voller Angst, Verlust und Neubeginn – aber auch eine Zeit, in der rasche Hilfe aus Kärnten entscheidend wurde. Die Caritas Kärnten war damals schnell vor Ort und legte damit zugleich den Grundstein für ihre Auslandshilfe, die bis heute wirkt.

Der ehemalige Fahrer Franz Grießnig (†) (2. von links) mit Omelko und Peter Quendler (†) (ganz rechts)

„Für uns Friulaner:innen war es ein traumatisches Erlebnis“, erinnert sich Sara Berra aus dem Dorf Vallemontana in der Gemeinde Nimis/Udine. Sie war beim Erdbeben am 6. Mai 1976 erst drei Jahre alt, doch die Ereignisse haben sich tief in das Familiengedächtnis eingebrannt: Nächte im Auto, Monate in Zelten und ein Leben im Ausnahmezustand prägten ihre Kindheit.

Ein Trauma, das ganze Generationen prägt

Ihre Familie war kurz zuvor aus Australien zurückgekehrt und hatte das Haus gerade renoviert. „Innerhalb eines Augenblicks war alles unbewohnbar, wir mussten von Grund auf neu anfangen“, so Berra. Viele Häuser in ihrem Dorf wurden schwer beschädigt oder zerstört, ganze Orte mussten neu aufgebaut werden. Nach Monaten in Notunterkünften konnte die Familie Anfang 1978 in ihr Haus zurückkehren – begleitet von tiefer Dankbarkeit.

989 Tote & rund 1.000 Schwerverletzte

Eine besondere Rolle spielte dabei die Caritas Kärnten. Sie unterstützte die Familie unter anderem mit dem Dach für ihr Haus. „Diese Hilfe werden wir nie vergessen“, sagt Berra. Auch Jahrzehnte später bewahrt die Familie eine damalige Dankesplakette als wertvolles Erinnerungsstück auf. Am 6. Mai 1976 bebte die Erde in Friaul eine Minute lang – mit verheerenden Folgen: 989 Tote, rund 1.000 Schwerverletzte und etwa 80.000 obdachlose Menschen. Ganze Städte wurden zerstört. Der damalige Caritas-Direktor Viktor Omelko erlebte das Beben aus Südtirol und reagierte gemeinsam mit seinem Team rasch: Bereits am nächsten Tag wurde eine Soforthilfe beschlossen.

Vom Notfall zur nachhaltigen Aufbauhilfe

Nur wenige Tage später begann die Caritas Kärnten mit konkreter Hilfe vor Ort. Unter schwierigen Bedingungen wurden Wohnlösungen geschaffen, unter anderem durch den Umbau von ÖBB-Waggons. Parallel entstand ein umfassendes Wohnbauprogramm. Insgesamt wurden 256 Häuser, ein Kindergarten und zwei Altersheime errichtet – mit einem Gesamtvolumen von rund 81 Millionen Schilling, unterstützt auch von der österreichischen Bundesregierung. Diese Hilfe war nicht nur kurzfristige Katastrophenhilfe, sondern setzte bewusst auf Nachhaltigkeit und Selbsthilfe. Mit nur wenigen Mitarbeitenden und vielen Freiwilligen entwickelte sich daraus der Beginn der Auslandshilfe der Caritas Kärnten. 

Katastrophenhilfe bleibt zentrale Aufgabe

Auch heute ist die Erinnerung an 1976 präsent. Caritas-Direktor Ernst Sandriesser verweist darauf, dass Katastrophenhilfe weiterhin ein Kernauftrag der Organisation sei. „Es braucht Mut zum raschen Handeln, die Unterstützung hilfsbereiter Menschen und Ausdauer“, so Sandriesser. Die Dankbarkeit der Betroffenen zeige bis heute den nachhaltigen Wert der damaligen Hilfe. 50 Jahre nach dem Erdbeben wird deutlich: Die Solidarität von damals wirkt bis heute nach – in Friaul, in Kärnten und weit darüber hinaus.